Montag, 30. Juni 2014

Get on Board schlägt sich in die Schlucht - Canyoning Event - Teil 1


Moin Moin,

zurück vom Segeltrip im Ijsselmeer hab' ich mich endlich an die Tastatur klemmen können für den Beitrag zum Canyoning-Event dieses Jahr am Comer See in Italien. 

Zusammengerottet haben sich für das diesjährige Canyoning-Event fünf Männer und eine Dame. Unser ältester Teufelskerl hat bereits 67 Jahre auf dem Tacho. Keiner von ihnen ist ein Canyoning-Greenhorn. Alle waren mindestens schon einmal vorher dabei, manche sind Veteranen der ersten Stunde.

Freitags schwingen wir uns nach der Frühstückspause in unsere Schlitten und zischen gen Italien. Alles läuft wie am Schnürchen und wir kommen sauber vorwärts. Ein bissl Glück haben wir aber schon, so sehen wir das eine oder andere Stauende bedrohlich herannahen, doch glücklicherweise hat unsere TomTom-Uschi geplant eine Ausfahrt vorher zu nehmen und so flutschen wir am Stau gerade noch vorbei. Für die ersten Adrenalinstöße müssen wir nicht mal warten bis wir in der Schlucht hocken, sondern schon auf der Fahrt ist unser Blut adrenalingeschwängert. Von der Schweiz nach Italien schrubben wir über den Splügenpass. Der hat es in sich. 




Es mangelt nicht an engen Haarnadelkurven, nicht einsehbaren Schikanen, starken Steigungen und Gefällen garniert mit meist nicht vorhandenen Leitplanken am Abgrund. Dafür ist die zu bestaunende Landschaft aber mehr als sehenswert und beeindruckend. Da liegt plötzlich noch flächenweise Schnee, die Aussicht auf die Berge, einen Stausee und ein kleines Dorf da oben im absoluten Nirgendwo ist grandios und surreal zugleich. 



Ausgebremst wird unser Adrenalinrausch durch eine leicht überforderte Familienkutscherin, die mit ihrem Karren kämpft und scheinbar auch ordentlich Muffensausen schiebt. In mehreren Kurven bergauf murkst sie die Kiste ab, versucht dann mit Handbremse wieder anzufahren, murkst ihn wieder ab und beim nächsten Versuch lässt sie so lange die Kupplung schleifen, dass wir einen stechenden Geruch in unseren Nasen haben, vielleicht hat sie auch vergessen die Handbremse wieder zu lösen. Dabei machen wir der Armen gar keinen Vorwurf, schließlich flößt auch uns der Pass ordentlich Respekt ein. Da wegen der hohen Konzentration an Gummidämpfen in unserer Atemluft spontane Nasenschleimhautablösung droht, schlenkern wir mal eben an die Seite auf eine kleine freie Fläche und lassen die Dame mit der brennenden Kupplung ziehen. 



Nach ein paar Minuten geht’s wieder auf die Rennstrecke, unser Fahrer Tobias ist wieder voll in seinem Element und holt alles raus...aus seinem Renault Megan Kombi. Drei Kurven weiter sticht uns von einer kleinen geschlossenen  Zollstation die brennende Kupplung vor den Kühler, oh Mann. Zum Glück können wir an der Tante vorbeiziehen als eine kurze übersichtliche Gerade vor uns liegt, frische Luft in den Nüstern tut gut. 



Wir haben den höchsten Punkt im Pass passiert und nun geht’s an die Talabfahrt. Die ist von der Aussicht her nicht ganz so spektakulär, dafür aber technisch anspruchsvoll. Unsere Bremsen kommen an ihre Belastungsgrenze und werden weich, stinken wie Sau und bei einem kurzen Stopp vor einer sehr engen Kurve schwelen blaue Rauchschwaden aus den Radkästen. Ein breites Grinsen zieht sich über Tobias´ Gesicht, ein Rally-Pilot ist an ihm verloren gegangen. Sandy und ich sind angesichts dieser fahrtechnischen Meisterleistung in Hochstimmung während Hans Kund tut, dass ihm schlecht ist. Während der aufregenden Abfahrt kommen uns permanent Teilnehmer einer italienischen Rally entgegen. Vornehmlich Oldtimer, meist der Marke Porsche, Ferrari, Maserati usw. röhren den Pass hoch, auch das eine oder andere Musclecar, aber auch aktuelle Sportkarossen.

Nach dem Pass ist es nicht mehr weit und wir kommen entspannt bei unserer Ferienwohnung, die nur 30 Meter vom Comer See entfernt liegt an. Die Taschen reingeknallt, Badehose rausgezerrt und ab an den See. 



Die übermütige Begeisterung ne Runde zu schwimmen stoppt abrupt als wir in den See marschieren. Das Teil ist schweinekalt. Aber wir überwinden uns, quälen uns rein und schwimmen sogar. Wenn man mal drin ist und in Bewegung bleibt, ist es auch okay. Auf hemmungsloses Schnattern gefasst, nehmen wir Kurs an Land, es weht ein strammer Wind, sofort überkommt mich Lust, den Comer See mit einem Segelboot unsicher zu machen. Als uns der Wind beim Verlassen des Sees erfasst, fühlt sich das mollig warm an, so als wenn uns einer sanft abfönt. Leicht verdutzt flaggen wir uns auf unsere Handtücher und lassen uns trockenfönen. Der See muss schon ziemlich kalt gewesen sein.

Nach einem gelungenen Abendessen an der Promenade in der Ortschaft Colico mit malerischer Aussicht auf den Comer See machen wir es uns noch vor unserer Wohnung gemütlich und zischen ein paar Bierchen.




Am nächsten Morgen sind wir um halb zehn mit unseren Guides von BeraufBergab verabredet. Wir sollen an einen Kreisverkehr in irgendeiner Ortschaft kommen. Leider kennt TomTom-Uschi nicht die neue Hochstraße dorthin und so verbrummen wir uns erst mal richtig. Wir stellen TomTom-Uschi aufs Abstellgleis und aktivieren drei weitere Uschis. Am Start sind Navigon-Uschi, iPhone-Uschi und Sony-Uschi. Dank der Macht der drei wild durcheinander brabbelnden und TomTom-Uschi vehement widersprechenden Uschis kommen wir mit leichter Verspätung am Treffpunkt an. Kurz Hände schütteln, man kennt sich schon vom Canyoning vom letzten Jahr, und dann ab zum Einstieg in die Schlucht. Dort schießen wir uns in die Neoprenanzüge, hüpfen in das Klettergeschirr und dann geht’s auch schon los.

Die Schlucht ist grandios und BergaufBergab hat uns vorher nicht zu viel versprochen. Wir haben Bombenwetter, der Canyon liegt die ganze Zeit in der Sonne, das Wasser ist kristallklar, die Felsformationen abwechslungsreich und beeindruckend. 




Oft sind es geschwungene, weiche Formen und Spalten, durch die wir wandern, schwimmen, klettern, abseilen und springen. Die Abseilstellen machen Bock und wir haben schöne Höhen von ca. 25 Metern zu bewältigen. 



Die Tour ist sehr aquatisch und daher ist man viel im Wasser unterwegs, was uns angesichts der knallenden Sonne nur recht kommt. 



Die vielen geilen Sprungstellen haben es uns vor allem angetan. Zunächst springt man nur drei bis fünf Meter zum warm werden, dann steigert man sich über acht auf zehn und schlussendlich auf 13 Meter.
Der Hammer! Wenn man da oben steht, und da unten in das rauschende aber auch kristallklare Wasser blickt, alle Nebengeräusche dumpf werden und man nur noch die Leere zwischen sich und der Wasseroberfläche wahrnimmt, dabei den eigenen Herzschlag wie Hammerschläge in den Ohren und vollkommen fokussiert auf den Sprung. Ein Gefühl, das sich einprägt. Absolut pur und unverfälscht. Du und der Sprung!



Sind höhere Sprünge aus gesundheitlichen Gründen oder weil man sich´s schlicht nicht traut nicht möglich, ist das keine Schande und mit guter Crew wird auch keiner einen dummen Spruch bringen. Man kann sich jederzeit auch abseilen, was mitten in einem Wasserfall auch ziemlich geil ist. Oder es gibt teilweise Seilrutschen über viele Meter Strecke ins Wasser als Ausweichmöglichkeit. Auch sehr geil, und nicht nur ich hab überlegt einen Sprung zugunsten der Seilrutsche sausen zu lassen. Bin dann aber doch gesprungen. 




Beim 13 Meter-Jump hatte man die Möglichkeit entweder die 13 Meter voll mitzunehmen, auf 10 Meter Höhe abzusteigen zum Sprung oder komplett abzuseilen. Wir verzeichnen am 13 Meter-Punkt volle Sprünge der vier Mittdreißiger, einen 10 Meter-Jump unseres reiferen Canyoning-Anhängers und einen Abseiler unseres weiblichen Crewmitglieds. Eine saubere Leistung, die sich sehen lassen kann. Überhaupt ziehe ich den Hut vor Kerstin und Hans, denn es ist keinesfalls selbstverständlich, dass man im Extremsport wie Canyoning viele Frauen sieht und auch 67-jährige sieht man eher selten im Neoprenanzug durch die Schluchten ziehen.



Der erste Canyoning-Abstecher an diesem Wochenende war vollauf gelungen, wir sind begeistert und scharf auf die nächste Tour morgen. Da geht’s in eine Schlucht die vor etwa 100 Jahren eingestürzt ist. Riesige Felsbrocken haben sich verkeilt und über weite Strecken des Canyons eine Höhle gebildet. Das alljährlich da durchrauschende Schmelzwasser hat sich auch seine Wege gesucht und das Gestein entsprechend umgeformt. Für uns endet die Reise durch diese Welt unter der Erde allerdings mit der Aussage unserer Guides: „Wir sind eingeschlossen!“. 

Das meine Lieben ist aber eine andere Geschichte und die gibt’s in Kürze hier auf Get on Board!


Und hier präsentiere ich euch stolz das Video zum Event:







Hier geht´s zu Teil 2



Euer Markus

1 Kommentar:

  1. sehr interessant! Ich wusste nicht, dass man in der Nähe vom Comer See Canyonfahrten veranstalten kann.

    AntwortenLöschen