Freitag, 10. Januar 2014

Auf Kurs zum Skipper - Der SBF-See (Sportbootführerschein See)


Hey Leute,



heute geht’s um den Sportbootführerschein See. Auf Kurs zum Skipper, also eine Segelyacht vernünftig führen zu können, ist er der erste Schritt (mal abgesehen vom SBF-Binnen der auch für Binnenseen gilt, auf denen man auch mit einer Yacht schippern kann, sprich Chiemsee, den Balaton oder so). Dieser international anerkannte Pflicht-Schein alleine berechtigt schon in Deutschland und auch vielen anderen Ländern zum Führen einer Segelyacht (so lange bis zu einer bestimmten Länge über Alles, kein Funk an Bord ist und man nicht kommerziell skippern möchte).  What? Ich brauche nur diesen einen Lappen und das war´s dann schon? Naja, zumindest auf dem Papier. Denn obwohl es normalerweise Vater Staat in seiner Regulierungsleidenschaft bei allem sehr genau nimmt, so ist man beim SBF See scheinbar eher locker drauf. Denn, und jetzt kommt es, Segeln und das Handhaben einer Segelyacht ist nicht Bestandteil des offiziellen Lehrinhaltes und wird auch nicht abgeprüft. Der SBF See dreht sich rein ums Motorboot! „Komisch….ist aber so“ würde die Sendung mit der Maus sagen. Und weil auch die meisten Vercharterer in Europa von diesem Sachverhalt wissen und nicht bescheuert sind, könnt ihr diejenigen mit der Lupe suchen, die ihre affenteuren Segelyachten an SBF-See-Spezialisten ohne nachweisbaren Plan von der Materie verchartern, was ich gut verstehen kann. Würde ich auch nicht machen. Es gibt aber durchaus noch wunderlichere Kuriositäten als die deutsche Gesetzgebung. Zum Beispiel sagt das niederländische Gesetz, dass man für Boote - und dabei ist es völlig wurscht ob es sich um eine 46-Fuss-Segelyacht oder eine PS-starke Motoryacht handelt - bis zu irgendwas um die 15 Metern Länge, man das Ding ruhig ganz ohne Lappen fahren darf. Findet man Vercharterer, die das mit ihren Yachten mitmachen? Nee, natürlich nicht.



Hier und da gibt es natürlich Charteranbieter, die den SBF-See als ausreichend ansehen und ihre Yachten an Leute mit diesem Schein verchartern, aber wie gesagt sind das die wenigsten und meistens werden dann Seemeilen-Nachweise als Schiffsführer und damit Erfahrung verlangt. Und da man nach dem SBF See wirklich absolut keinen Plan vom Segeln und schon gar nicht von Yachten hat sollte man auch als verantwortungsbewusster, angehender Skipper die Finger von solchen Dummheiten lassen. 


Bootsschulen und verschiedene Lehrkonzepte gibt es in Deutschland wie Sand am Meer und in aller Regel kann man mindestens eine Bootsschule in der Nähe seines Wohnortes auftreiben. Ich persönlich habe alle Scheine ab SBF-See bei der Bootsschule Aquafun gemacht. Mir gefällt dort das Lehrkonzept und der zeitliche Aspekt von Kursbeginn bis zum Schein. Aquafun vermittelt den gesamten Lehrstoff in einer Art „Kompakt alles ins Hirn drücken“-Block an einem Tag. Ihr rückt also dort an einem Samstagmorgen um zehn Uhr an und kriegt dann bis abends den Kopf vollgemacht. Hat man‘s danach drauf? Nein! Das macht aber nix, ist so gewollt und ehrlich gesagt auch gut so. In diesem Block wird im Prinzip alles von Wichtigkeit durchgekaut und wenn man bei der Sache bleibt, bleibt auch einiges hängen. Man bekommt nen guten Gesamtüberblick und kann sich auch gleich für einen Prüfungstermin anmelden lassen. Die Formalitäten hierfür übernimmt übrigens komplett Aquafun, ein sehr angenehmer Service und ihr müsst euch damit nicht herumscheren. Auch der Arzt klopft an diesem Tag schon an und führt mit jedem die für den Führerschein nötige ärztliche Eignungsprüfung durch.

Kann der Kerl vier Meter weit sehen? Check. 

Macht er den Eindruck, als wüsste er wo er ist? Check. 
Hat er 20 Euro dabei? Check.


Ist dieser Tag gelaufen, heißt es bis zum Prüfungstermin büffeln. Und hier hat man dann den eigentlichen Lerneffekt. Man ist gezwungen, sich mit dem Stoff zu befassen und ihn zu verstehen, zu üben, mal im Lehrbuch nachzuschmökern und das ist für den Lerneffekt natürlich hervorragend (in der Kursgebühr ist Schulungs- und Lernmaterial inbegriffen). 

Alles in allem hält sich der Umfang für den SBF-See in Grenzen und man kann ihn schon relativ locker neben seinem Berufsleben her machen ohne gleich am Burnout-Syndom zu erkranken und sollte vernünftigerweise zwei bis drei Wochen Zeit bis zur Prüfung einplanen damit die Sache entspannt über die Bühne geht. 

Rechtzeitig vor der Prüfung findet dann nochmal ein Übungsabend statt an welchem man alle Fragen, die sich beim Lernen aufgeworfen haben und einem keine Ruhe lassen, klären kann und alles nach Bedarf nochmal besprochen wird. Auch wird nochmal eine Navigations-Aufgabe gemacht und auch die Knoten nochmal geübt.

In aller Regel findet am Prüfungstag für die Theorie auch die praktische Prüfung statt. Leider fiel bei uns die praktische Ausbildung für die handvoll Manöver nicht so ausführlich aus wie wir uns das erträumt hatten. Sie betrug so um die dreiviertel Stunde bis Stunde pro Person. Nun ist natürlich Motorboot fahren keine Raketenwissenschaft und jeder mit gesundem Menschenverstand kriegt das auch locker hin, aber es macht sich auch nicht von alleine und wenn man nicht versteht, was man da macht, ist man schnell wogegen gebrummt, hat anderweitig Scheiße gebaut oder eiert überfordert auf dem Wasser rum und macht das nicht so richtig seemännisch wie sich das verdammt nochmal gehört. Es wäre schon nicht schlecht gewesen, vielleicht vorher schon mal in aller Ruhe und zumindest zweimal eine Praxissession zu machen, ne Nacht drüber schlafen zu können und das Geschehene mal Revue passieren zu lassen, bevor man zur Prüfung wackelt. Im Falle von meinem Mitstreiter Christian und mir fand die Praxisausbildung sogar direkt am Prüfungstag vor Prüfungsbeginn statt. ABER: Das wir am Prüfungstag morgens erst noch unsere Praxisausbildung bekommen haben, dafür kann Aquafun nichts. Eigentlich war das für eine Woche vorher samstags geplant. Aufgrund des extrem schlechten Wetters, wurde das aber am Abend zuvor gecancelt und halt auf eine Woche später vor der Prüfung verschoben. Eine andere Möglichkeit gab es nicht. Außerdem war es Dezember, schweinekalt und länger hätten wir es auf dem Boot eh nicht ausgehalten. Also versteht mich nicht falsch, das soll keine Kritik an Aquafun sein. Ich war mit dem Laden sehr zufrieden und hätte nicht alle weiteren Scheine dort gemacht, wenn ich nicht zufrieden gewesen wäre oder Zweifel an der Qualität der Ausbildung gehabt hätte. Wahrscheinlich hätten wir im Sommer mehr Fahrpraxis gehabt. Aber bei dem einen oder anderen Prüfling merkte man unter den bei uns gegebenen Bedingungen schon deutlich an, dass das zuvor in der kurzen Zeit geübte nicht so recht gesessen hat. Bestanden hatten sie trotzdem. Mit der kurzen Praxisausbildung bestanden zwar alle Anwärter die Prüfung und man hält anschließend den Lappen in der Hand, wir hatten aber bissl das Gefühl, ihn nicht so recht verdient zu haben, denn wir hatten schlicht und einfach nicht das Gefühl, dass wir vernünftig Motorboot fahren können. Das mit der Praxis machen andere Bootsschulen teils anders, allerdings werden dort oftmals die theoretischen Inhalte nicht kompakt vermittelt, sondern in aller Ausführlichkeit an zahlreichen Abenden bis ins Kleinste durchgekaut und bei Segelvereinen, auch ordentlich mit Seemannsgarn versponnen. Das ist natürlich auch nicht verkehrt, aber da ich einer von der Sorte bin, der möglichst schnell alles im Sack haben will, habe ich keinen Bock drauf, mehrere Abende irgendwo hin brummen müssen. Aber es hat auch seine Vorzüge und ist für den Einen oder Anderen sicherlich der richtige Weg.

Was die genauen theoretischen Lehrinhalte sind, will ich hier nicht runterbeten, das kann man sich auch auf den Homepages der jeweiligen Prüfungsausschüsse oder Elwis.de reinziehen.

Letztendlich gibt es einen theoretischen Teil, der sich mit allen möglichen Aspekten wie Schifffahrtsrecht, Vorfahrtsregeln, Lichterführung, Knotenkunde usw. beschäftigt, einen navigatorischen Teil und halt die Praxis.

Der theoretische Teil wird im Multiple-Choice-Verfahren abgeprüft und ist halb so wild. Diesen Teil zu büffeln kann man auf verschiedene Weise angehen. Es gibt zahlreiche Apps fürs Handy, Homepages von Bootsschulen mit den Prüfungsbögen zur Ansicht und sogar Online-Prüfungs-Simulationen. Hoch offiziell kann man sich auch die Bögen bei Elwis.de runterziehen. Bei Aquafun bekommt man die Bögen zusammen mit den Schulungsunterlagen und den Nav-Aufgaben. Gelernt habe ich die Theorie mit einem Online-Abfrage-Tool. Das hat wunderbar funktioniert. Was nach eurem Geschmack findet ihr recht einfach über Google.

Was die Nav-Aufgaben angeht, muss man sich eben zu Hause auf den Hosenboden hocken und sich einfach reinarbeiten. Man kommt relativ schnell in die Materie  und dann ist es eigentlich nur noch Schema F.

Was die Kosten für den ganzen Spaß angeht, liegt man meistens so um die 450 Euro… Hier gibt es aber etwas Spielraum, je nachdem bei welcher Bootsschule man an den Start geht.

Eremiten, Geizkragen, Autodidakten oder Leute, die im Gebirge leben können sich auch bei verschiedenen Anbietern komplette Online-Kurse genehmigen und die klassische Bootsschule komplett links liegen lassen. Für mich wär das allerdings nix. Praxis hat man dann auch noch keine gemacht und muss sich separat darum kümmern um dann fit genug für die Prüfung zu sein.



Und hier habt ihr noch ein schönes Bildchen als Ansporn, meinen SBF-See:






Über Kommentare und eigene Erfahrungen, Tips, Anreize usw. freue ich mich ;-)

Euer Markus

Noch keine Kommentare - schreib was!