Sonntag, 25. Oktober 2015

Get on Board probiert einen Katamaran aus - Ein Vergleich zur Monohull




Ahoi meine Freunde,

heute gibt´s mal wieder ordentlich was auf die Augen! Vor Kurzem war ich mit dem Katamaran "Sunsail 444" unterwegs (dabei handelt es sich um einen Leopard 44 aus der Feder von Robertson & Caine). 

Bei der ganzen Geschichte ging es für mich um ein "erstes Mal", überhaupt hatte ich so manches "erstes Mal" auf diesem Törn. Davon gleich mehr. Bisher bin ich immer Monohull gesegelt und das mit großer Begeisterung. Seit gerade einmal einem Jahr mache ich das Mittelmeer, bisher immer das kroatische, und das Ijsselmeer als Skipper unsicher. Ich bin also grundsätzlich noch relativ neu im Geschäft könnte man sagen, gebe mir aber größte Mühe so oft auf dem Wasser unter Segeln unterwegs zu sein wie ich kann und bringe es in diesem Jahr auf vier Törns unter meiner Skipper-Flagge. Diese Zeit war voll von neuen Eindrücken und Erkenntnissen, von vielen Erfahrungen auf dem Wasser und damit auch mit vielen ersten Malen aller Art. Das erste Mal als Skipper unterwegs zu sein, das erste Mal eine verdammt unruhige Nacht vor Anker, das erste Mal in einem neuen Revier, das erste Mal mit einer größeren Crew als sechs Personen, das erste Mal das der scheiß Anker wirklich in keiner Bucht halten wollte, das erste Mal das nachts in der Ankerbucht wegen plötzlich unerwartet schlechtem Wetter Aufruhr herrschte. Das Schiff wurde mal abgesehen vom Ijsselmeer auch stets größer. Es war sehr aufregend für mich und ich freue mich das ich dieses Jahr mit einem ziemlich geilen, ziemlich großen ersten Mal abschließen kann. 
Übrigens, hat mich Oli aka der Lichtfreibeuter zur Story mit den "ersten Malen" inspiriert. Er hatte sich vor einem Jahr getraut bei meinem ersten Mal als Skipper an Bord zu kommen und erlebte jeden Tag während des Törns ein neues "Erstes Mal" in seinem Leben. Auf seine charmante Artikelserie zu unserem Törn vor einem Jahr solltest Du mal ein Auge werfen.

Sunsail hatte mich gefragt, ob ich Bock hätte einen Katamaran mal auszuprobieren und über meine Erst-Erfahrungen mit dem Geschoss, vergleichend zu Monohulls, offen und ehrlich auf sachlicher Ebene zu schreiben. Diesem Angebot konnte ich natürlich nicht widerstehen und so sitze ich nun tatsächlich an den Tasten und schreibe diese Zeilen. Ich kann euch sagen, ich hatte ganz schön Respekt davor, so ein Gerät zu skippern. Beim Juni-Törn mit einer 46-Fuß Monohull im gleichen Revier haben wir schon in Buchten, Häfen und natürlich auch auf dem Wasser den einen oder anderen Kat dieser Größenordnung beäugen dürfen. Da musste ich schon ein bissl in mich kehren, ob ich mir das zutraue oder nicht. Nach reiflicher Überlegung fasste ich mir ein Herz, beschaffte mir zur Vorbereitung etwas einschlägige Literatur und fieberte ab da dem Törn mehr und mehr entgegen. 

Zunächst möchte ich "gemütlich" in den Artikel starten. Das wäre dann die Kategorie "Leben an Bord", danach geht´s rüber zum Hauptgang "Manövrierbarkeit". Dort warten die größten Überraschungen für den geneigten Segler. Abgerundet wird das Programm dann mit dem Sahnehäubchen, der "Segel-Performance".

Legen wir los! 



LEBEN AN BORD

Wie lebt es sich an Bord eines Katamarans? Kurzum... wie ein junger Gott in Frankreich. Dieses Lob hat sich das Schiff redlich verdient. So kritisch man auch an die Sache herangeht, gibt es nur wenige Punkte in Sachen "Leben an Bord", an denen man herummäkeln kann. Zur Verfügung stehen Klimaanlage und Generator, eine geile Soundanlage, ein dreiflammiger Gasherd und ein Gefrierfach. Außerdem, und das ist das größte Plus in der Rechnung, ist vor allem eins vorhanden womit der Kat gegenüber einer Monohull gleicher Länge punkten kann und das ist Platz, Platz und nochmal Platz. Nicht nur, dass Salon und Kajüten üppig sind und man sich locker überall bequem aufrecht stehend bewegen kann, nein, man hat auch an Deck Platz ohne Ende. So gibt es ein vorderes Cockpit mit Klapptisch und Sicht voraus, mit einem Hardtop überdacht versteht sich. Dort lässt es sich ganz wunderbar aushalten. Das achterliche Cockpit bietet eine komplette Sitzgruppe und weitere Sitzgelegenheiten, ebenfalls mit einem Hardtop gegen Regen oder Sonne geschützt. Beide Cockpits sind bestückt mit Außenlautsprechern. 



Auf dem Vorschiff gibt es für Sonnenanbeter Liegefläche noch und nöcher, da kann man locker vom Dreifachen gegenüber dem Vorschiff einer Monohull sprechenBesonders reizvoll ist auf dem Kat das Trampolin, gespannt zwischen den beiden Bugen liegt es sich hier sehr bequem während unter einem das Wasser durchrauscht. Wer schon mal mit dem Gedanken gespielt hat, seinen Schlafplatz in einer lauschigen Sommernacht im Freien an Deck aufzuschlagen, wird dort auf jeden Fall sein Glück finden.



Ein nennenswerter Kritikpunkt stellt eine fehlende Sitzbank am Salontisch dar. Dieser ist im Prinzip nur zu 50% nutzbar. Hier könnte man noch nachbessern. Eine unter den Tisch verschiebbare Sitzbank ohne Rückenlehne hätte sich angeboten. Das schmälert ein wenig die Harmonie an Bord wenn das Schiff voll belegt ist, denn bei den Mahlzeiten können einfach nicht alle zusammen an einem Tisch sitzen und müssen sich auf Salon und/oder Cockpits aufteilen. Der Salontisch muss außerdem als Kartentisch herhalten, denn es gibt keine Navigationsecke im Salon. Dafür lässt er sich aber schnell zu einer großzügigen und sehr bequemen Doppelkoje umbauen. Echt, ich hab´s ausprobiert, war ziemlich bequem. Das ist vor allem für den Skipper interessant, wenn man beispielsweise in einer Bucht vor Anker liegt und über Nacht nah am Geschehen bleiben möchte um ein wachendes Auge auf Schiff und Crew zu haben.



Der Kühlschrank bietet auch etwas Spielraum für Kritik. Er war für unseren Geschmack etwas zu klein. Wir mussten schon bissl Tetris spielen und genau abwägen was nun wirklich gekühlt werden muss und was nicht. Getränke mussten stetig nachgelegt werden. Auf das Gefrierfach, genauso groß wie der Kühlschrank, hätten wir getrost verzichten können. Das ist natürlich crewabhängig und ein Gefrierfach bietet durchaus Vorteile. So konnten wir zwar praktischerweise Hackfleisch einfrieren, hätten uns aber den Platz, den das Gefrierfach einnimmt, oft für den Kühlschrank gewünscht. 
Versorgt wird der Kühlschrank von einer eigenen Batterie, gespeist durch zwei Solarpanels auf dem Hardtop. Er kann also rund um die Uhr laufen und belastet nicht den Energiehaushalt des Schiffs und dessen andere wichtige Bordsysteme. Sehr cool gelöst.

Außerdem gibt es ordentlich Stauraum für Gepäck in den Kajüten. Problemlos kann man seine Habseligkeiten verstauen und hat sogar noch Reserven, vollkommen ungewohnt. Für Proviant hätten wir uns im Salon noch das eine oder andere Eckchen gewünscht, wo wir hätten mehr, gegen Herumfallen gesichert, unterbringen können. Gegenüber der Monohull fehlte es an Schapps oder eben an besagter verschiebbarer Sitzbank am Salontisch, die sich zusätzlich als Stauraum angeboten hätte. Mangelware waren außerdem Haken an Wänden und Schotten um daran Klamotten aufzuhängen. Das ist aber auf Monohulls auch nicht unbedingt Gang und Gäbe.



Das ganze Feeling an Bord des Katamarans ist stark davon geprägt, dass alles extrem bequem ist, man viel Platz und Bewegungsspielraum hat und stets ein gemütliches Plätzchen findet, vollkommen wurscht welches Wetter gerade herrscht. Niemand muss wie auf der Monohull bei schlechtem Wetter und Seegang schnell auf die beiden trockenen Plätze unter der Sprayhood hechten oder sich im Salon unter Deck ne Portion Übelkeit holen, um nicht im Regen sitzen zu müssen.

Auch der Steuerstand ist mit einem Hardtop überdacht und kann nach vorne mit einem Regenschutz verkleidet werden. Der Regenschutz besteht aus transparenter Folie. Ich persönlich habe ihn nicht benutzt, ich mag es aber auch wenn mir das Wetter mal ordentlich die Meinung ins Gesicht geigt und die Sicht voraus nicht durch die Folie getrübt wird. Andere Skipper und Rudergänger werden den Regenschutz aber geschmacksabhängig zu schätzen wissen. 



In Puncto "Leben an Bord" hat also verglichen mit der Monohull der Katamaran klar die Nase vorn, daran lässt sich nix rütteln. Das Platzangebot und die Bewegungsfreiheit sind einfach unschlagbar und jeder Törn mit einer Monohull fühlt sich verglichen damit an wie ein Ausflug in die Konservenbüchse, vor allem bei einem Törn mit eher schlechtem Wetter. 
Die angeführten Kritikpunkte sind eher kosmetischer Natur, ich meckere hier auf hohem Niveau. Gegen die Vorzüge dieses Katamarans kann keine Monohull gleicher Länge anstinken. Nur wegen nem größeren Kühlschrank und der fehlenden Sitzbank würde ich nicht den Kat sausen lassen, wenn ich die Wahl hätte.




MANÖVRIERBARKEIT

Ich hatte es in der Einleitung ja schon erwähnt: Beim Thema Manövrierbarkeit erwarten jeden Skipper, der einen Katamaran mal ausprobieren möchte, die größten Überraschungen. Was geht einem denn vor der ersten Katamaran-Charter so durch die Birne? Erst mal das, was meist auf Törns das Kniffligste ist, nämlich Hafenmanöver: "Das Teil ist verdammt groß! Oha, kein Bugstrahlruder?", "Oh Mann, so viel Windangriffsfläche und so wenig Tiefgang! Der vertreibt doch bestimmt schnell!", "Lässt der sich bei Fahrt achteraus so steuern wie eine Monohull?", "Wie läuft das überhaupt beim Anlegen?", "Aha, es gibt zwei Gashebel und zwei Maschinen, überfordert mich das nicht im Hafen?". 

Solche Fragen schossen mir so durch den Kopf. Ich hab mir dann erst mal ein günstiges, aber sehr gutes Büchlein bestellt und gemütlich zwei mal durchgemacht. Das kann ich jedem, der zum ersten Mal mit einem Katamaran an den Start gehen will ans Herz legen. Ich gehe gleich noch auf die Besonderheiten und Aha-Effekte ein. Auf jeden Fall, so viel verrate ich schon mal vorab, ist der Katamaran im Hafen easy zu manövrieren! Wesentlich einfacher als eine Monohull. Unter der Voraussetzung, dass man sich vorher mit der Materie beschäftigt und bissl verinnerlicht hat, was beim Kat anders ist und warum. Das ist wirklich keine Raketenwissenschaft und leicht zu verstehen wenn man Monohulls gewohnt und damit so manches Hafenmanöver gefahren ist. 

Die beiden dicksten Überraschungen, mit denen zumindest ich nicht gerechnet hatte, sind, dass die verhältnismäßig kleinen Ruder im Hafen völlig wurscht sind und man sich nicht kontinuierlich in Fahrt befinden muss, um manövrieren zu können. Auf Mittelstellung arretiert hockt das Ruder auf der Ersatzbank. Die beiden Maschinen lassen im Hafen alleine ihre Muskeln spielen und man bewegt und steuert den Kat ausschließlich mit den beiden Gashebeln. 



Zunächst klingt das für Monohull-Segler total abstrus, gibt einem aber viele Möglichkeiten an die Hand. Dazu gleich mehr. Dass man sich nicht konstant in Fahrt befinden muss, um manövrieren zu können hängt damit zusammen, dass man das Ruder nicht benutzt. Man braucht ja keine Anströmung ans Ruder! Durch verschiedene Kombinationen der Gashebelstellungen kann man den Kat beliebig und in Ruhe im Hafen, selbst auf engem Raum manövrieren. Drehen auf der Stelle ist ein Kinderspiel, Kurven in beliebigen Radien fahren, den Kat um einen der beiden Rümpfe drehen oder während leichter Fahrt voraus schon beidrehen lassen. Das alles geht nach einer schnellen Eingewöhnungsphase schnell in Fleisch und Blut über und das Schöne dabei: Man kann diese einzelnen Steuerbefehle miteinander kombinieren und jederzeit der Situation anpassen. Nach wie vor werdet ihr euch nun vielleicht fragen: "Ist ja alles schön und gut... aber warum zum Geier kann ich den Steg nicht wie gewohnt achteraus mit dem Ruder ansteuern?". Ganz einfach, oben habe ich es schon angedeutet. Die Ruderblätter sind ziemlich klein und gerade zu mickrig verglichen mit denen von Monohulls. Daher sind die Blätter zwar in der Vorwärtsfahrt gut zu gebrauchen, aber nicht potent genug, den Kat im Rückwärtsgang im gewünschten Maß zu drehen. Dazu müssten die Blätter tiefer gehen, was aber den wenigen Tiefgang zunichte macht oder weiter nach achtern ausgestellt sein, was aber enorme Kräfte in die Ruderwellen und alle weiteren beweglichen Teile in der Ruderanlage einleiten würde. Kurzum, die Katamaran-Designer, und zwar allesamt, haben sich was bei den kleinen Ruderblättern gedacht und unsereins muss nun mal damit zurecht kommen.

Der Kat reagiert prompt, präzise und spontaner als eine Monohull gleicher Größe, man ist ja auch mit weniger Gewicht unterwegs. Am Ende des Wochentörns hatte ich das Gefühl, ich könnte das Schiff zentimetergenau bugsieren. Daher wird ein Bugstrahlruder auch überhaupt nicht benötigt. Wenn das Vorschiff mal unter Windeinfluss wegdriftet, gleicht man das spielend aus, indem man einseitig etwas mehr Gas gibt und schon kommt das Vorschiff wieder auf Kurs.
Für mich war das Manövrieren mit dem Kat im Hafen das reinste Vergnügen. Wenn ich eine Monohull in der gut besuchten Marina achteraus einparke geht mir weit mehr die Pumpe. Nicht das ich davor Muffensausen hätte eine Monohull einzuparken, aber ich bin doch wesentlich angespannter. 
Angenehm, zumindest im Falle dieses Kat-Modells, ist die Tatsache, dass er erstaunlich wenig vertreibt. Fast wie auf Schienen folgt er meinen Steuerbefehlen. Wenn auch wenig Tiefgang, hat man ja doch durch die beiden Rümpfe einen enormen Lateralplan als Widerstand im Wasser. Wie das Unterwasserschiff und damit der Lateralplan konstruiert ist, hängt natürlich vom jeweiligen Katamaran ab, daher kann ich diese Aussagen auch ausschließlich für den Sunsail 444 aka Leopard 44 treffen. Andere Katamarane können sich durchaus anders verhalten. 



Natürlich kann man das Ruder zusätzlich einsetzen und die Blätter mit Gasstößen anströmen, um das Heck des Kats noch etwas zurechtzurücken. Man darf aber nicht vergessen bei Rückwärtsfahrt das Ruder auf jeden Fall wieder in Mittelstellung zu arretieren. Ansonsten schlagen die Ruderblätter, wie bei der Monohull auch, gegen Anschlag wenn man sich wieder den Gashebeln zuwendet... damit tut man seinem Manöver und der Ruderanlage keinen Gefallen. Worauf beim rückwärts Anlaufen auf den Steg unbedingt geachtet werden sollte, ist, dass man nicht beim Eindampfen in die Moorings die Sorgleine am Steg ansaugt und in die Schrauben bekommt. Die Ruder und damit auch die Schrauben befinden sich beim Kat unmittelbar am Schiffsheck und nah an der Wasseroberfläche. Hier hat die Monohull einen gewissen Vorteil, da ihre Schraube ziemlich weit unterm Schiff liegt.

Die beiden Schrauben laufen gegenläufig, damit gibt es auch keinen Radeffekt mit allen Vor- und Nachteilen.


Der geringe Tiefgang erlaubt es beim Ankern in seichten Buchten ganz prominent an allen Monohulls vorbei zu brummen und ganz hinten, wo es am schönsten ist, zu ankern. Den Schwojradius sollte man dabei aber nicht außer Acht lassen. Da wären wir auch schon beim Thema "Ankern" und damit bei "Festmachen an Bojen" angekommen. Auch hier hat der Kat gegenüber Monohulls Besonderheiten. 

Man liegt an einem Hahnepot vor Anker und Boje um das Schwojverhalten des Kats zu stabilisieren. Zum Ankern ist der einfach zu handhabende Hahnepot bereits am Schiff vorinstalliert. Vor Boje muss man einen Hahnepot mit Festmachern und den beiden Bugklampen selbst herstellen. Das geht schnell und einfach. Es ist jedoch nicht damit getan, einfach eine Leine durch den Ring an der Boje zu ziehen und auf beiden Bugklampen zu belegen, so viel sei verraten.

Der Kat, auch hier treffen meine Aussagen aus der Erfahrung heraus nur auf das von mir gesegelte Katamaran-Modell zu, schwojt sehr langsam und stabil. Während alle Monohulls in der Bucht recht mobil vor Anker unterwegs sind, lässt sich unser Schiff nur behäbig dazu herab Wind und Welle Folge zu leisten.



Ein bissl Mecker muss der 444 aber nun doch von mir einstecken. Der etwas erhöht angebrachte Steuerstand liegt an Steuerbord. Das ermöglicht zwar das große Platzangebot im achterlichen Cockpit, bringt aber den Nachteil mit sich, dass man dadurch nicht sehen kann, wo das Schiff an Backbord abschließt bzw. was sich dort auf Relinghöhe abspielt. Vor allem beim Anlegen ist das natürlich ein Thema und man braucht an Backbord einen guten Ansager, der einen auf dem Laufenden hält. Nach achtern hat man beide Hecks vom Steuerstand aus, wenn auch in gebückter Haltung, aber gut im Blick und kann mit vertretbarer Übersicht an den Steg heranfahren. Das war es auch schon mit meiner Kritik am Katamaran in Sachen Manövrierbarkeit.

Unterm Strich kann man festhalten, dass der Katamaran vor allem in den kniffligeren Situationen wie z.B. im Hafen klar im Vorteil ist. 
Eine kleine Anekdote: Wir laufen in eine gut belegte, etwas engere Marina ein, vorbei an etwa 15 Monohull-Crews die sich bei unserem Anblick vorfreudig auf Hafenkino die Hände reiben. Wir brummen gemütlich bis hinten rein zum zugewiesenen Liegeplatz. Während der leichten Vorausfahrt in der Gasse kurz vorm Liegeplatz das Heck schon beigedreht, zack Festmacher und Moorings an die Hand. So schnell konnten die Jungs auf den Monohulls gar nicht kucken, da hatten wir schon die Maschinen aus. 100 enttäuschte Gesichter bei einem Anlegebier geniesen, einfach unbezahlbar.




SEGELPERFORMANCE

Katamarane sind ja irgendwie als unsportlich verschrien. Jedenfalls wenn es sich um Fahrten-Katamarane handelt. Würde das mal einer von Hobie Cats oder den Geschossen vom America´s Cup behaupten, würde man ihn ohne Umschweife auslachen. Warum sollen dann eigentlich Fahrten-Katamarane ausgerechnet unsportlich sein? Weil sie nicht krängen? Weil sie viel Platz bieten und man nicht wie auf der Monohull unter Segeln hauptsächlich in der Plicht hockt? Keine Ahnung. Wir haben den Katamaran eine Woche gesegelt und uns ein Bild gemacht. Klar, er krängt nicht, daran lässt sich nix ändern und für wen Krängung der Inbegriff des sportlichen Segelns ist, der wird auf einem Katamaran nicht sein Glück finden. Aber ist nur Krängung ein Indiz für sportliches Segeln? Ich möchte da noch ein paar Dinge mehr in die Waagschale werfen. Zum Beispiel ist Segeln ein Mannschaftssport. Beim Kat laufen zwar alle Fäden im Steuerstand zusammen, sodass der Rudergänger oder Skipper alles mehr oder weniger alleine machen könnte, was aber der reinste Stress ist. Wir hatten uns auf unserem Törn generell für Manöver oder das Heißen und Bergen der Segel so aufgeteilt, wie wir das auch auf einer Monohull immer machen. Wir haben einen Rudergänger, einen Vorschoter und einen Großschoter und natürlich noch die Jungs am Baum die darauf achten, dass das durchgelattete Groß sauber hoch bzw. runter läuft und nicht in den Lazy-Jacks hängen bleibt. Auch auf die Reffleinen muss man dabei ein Auge haben. Es gibt also, genau wie auf der Monohull, viele Dinge auf die man achten muss, wenn´s ans Segeln geht. Hier braucht man nicht nach der Unsportlichkeit zu suchen, die versteckt sich hier meiner Meinung nach nicht.



Der Kat ist auch bei wenig Wind unter optimalem Kurs zum Wind ziemlich flott unterwegs und setzt locker 7 kn Wind in 4,5 kn Fahrt um. Bei mehr Wind geht natürlich auch mehr. Auf den normalen Yachten, mit denen wir bisher auf Törn waren, hätte ich die Segel bei 7 kn Wind nur zu Übungszwecken rausgeholt. Und Überraschung, Überraschung, der Katamaran schaukelt und nimmt die Wellen mit, weit mehr als wir erwartet haben. Sind wir mal ehrlich, bei jedem Segler unter uns schlägt doch das Herz höher, wenn wir bei schönem Wind und Welle auf Am-Wind-Kurs mit möglichst viel Fahrt durch die See zischen. Sich dabei das Schiff auf und ab durch die Wellen schneidet und auch mal ne Ladung Gischt übers Vorschiff kommt. Warum sollte das auf einem Kat anders sein? Das macht da genauso viel Bock wie auf der Monohull, nur mit noch mehr Fahrt und halt wenig Krängung. Auch hier findet man keine Unsportlichkeit, es sei denn man nagelt sich an der fehlenden Krängung fest.



Mir ist zu Ohren gekommen Katamarane gingen bei Wenden schlecht über Stag. Auch haben Vögelchen vom Dach gepfiffen man käme nicht so hoch an den Wind. Diese beiden Probleme können Kats durchaus haben. Das hängt ganz davon ab wie weit innen bzw. außen die Holepunkte für das Vorsegel angeschlagen sind. Je weiter außen, desto weniger Höhe kann man laufen und desto schlechter geht er über Stag weil vorher einfach die Bewegungsenergie längst verbraten ist. 
Bei unserem Kat sind diese Probleme nicht gegeben, denn die Schiffs-Designer haben mitgedacht und die Holepunkte recht weit innen angeschlagen. Das Groß ist mit einer doppelten Großschot versehen. Beides gibt uns alles an die Hand was wir brauchen um genauso viel Höhe zu laufen und lockere Wenden zu fahren. 

Was mit dem Kat nicht so gut geht sind Raumschots oder Segeln vor dem Wind. Das ist konstruktiv bedingt. Die Wanten sind weiter nach achtern gezogen als auf Monohulls und verhindern dadurch, dass man das Groß weit auffieren kann. Es liegt dann recht früh an den Wanten an und das sollte man vermeiden, das tut keinem Segel und schon gar nicht den Latten gut. Hier hat eine Monohull die Nase vorn.



Etwas hinderlich beim Segeln auf Steuerbordbug ist die Position des Steuerstandes. Man hat als Rudergänger dann keine Sicht ins Groß weil der Baum direkt über einem die Sicht versperrt. Aber wenn man´s sportlich sieht ist das eher das Problem vom Großschoter. Außerdem schaut man vom Steuerstand aus auf Steuerbordbug in die Fock und sieht damit nicht all zu gut, was vor dem Schiff vor sich geht. Ähnliche Probleme hat man auf einer Monohull aber auch und braucht ohnehin jemanden, der ab und an mal vor der Fock den Blick schweifen lässt.

Was mich überrascht hat ist, dass trotz der hohen Position vom Steuerstand das Steuerrad über eine Kette mechanisch mit den Blättern verbunden ist und man damit beim Segeln genauso wie gewohnt direkt spürt, was Sache ist.



Wo hat sich nun also die Unsportlichkeit im Kat verkrochen? Wir haben sie nicht wirklich gefunden. Wie man die Fakten und unsere Erfahrungen auch dreht und wendet, man kann, mal abgesehen vom Thema Krängung, dem Kat keine Unsportlichkeit vorwerfen. Vielleicht verwechselt man leicht Unsportlichkeit mit Bequemlichkeit, diese hat man wie gesagt auf dem Katamaran in allen Lagen im Überschuss. Identische Situationen fühlen sich mit einer normalen Yacht intensiver an weil es einfach enger ist, man mehr aufeinander sitzt, sich bei Seegang eher nicht im Salon aufhalten kann und die Krängung das noch verstärkt. Egal was los ist, der Kat fühlt sich einfach entspannter an. 




FAZIT:

Der Sunsail 444 bzw. Leopard 44 kann segeltechnisch eigentlich alles genauso gut wie die Monohull, bis auf Vorwindkurse. Er hängt bei Am-Wind bis Halb-Wind-Kursen jede Yacht ab, kommt auch bei leichten Winden schon erstaunlich gut auf Touren und bietet dabei immer eins: Viel Platz und Gemütlichkeit. Der Chill-Faktor könnte nicht größer sein. Das Manövrieren geht nach einer recht schnellen Eingwöhnungsphase auch im engen Hafen locker von der Hand und lässt jede Yacht, ja auch die mit Bugstrahlruder, im Regen stehen. Wer auf hohen Komfort und Platz an Bord Wert legt und sich nicht daran kratzt, dass der Kat nicht krängt, wird seine helle Freude haben. Für uns steht fest, Kat segeln fühlt sich anders an, ja. Aber das ist auch gut so, denn wenn alles gleich wäre, wär´s ja langweilig. Unser "Erstes Mal" wird aller Voraussicht nach nicht unser Letztes gewesen sein.


Der Artikel spiegelt meine eigene Meinung wieder und ist nicht von der Tatsache beeinflusst, dass mir der Katamaran zur Verfügung gestellt wurde.

Die meisten Bilder im Post verdanke ich meinen beiden Freunden und Bord-Fotografen Karsten Wulff und Stefan Süverkrüp. Herzlichen Dank euch und eurem geschulten Auge :)

Hier noch das Video zu unserem Katamaran-Törn :)



Euer Markus

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