Mittwoch, 7. Mai 2014

Get on Board schielt Richtung ersten eigenen Törn! Skippertraining vor Kroatien - Teil 1


Hey Leute,

wer meinen ersten Post zum Startschuss von Get on Board gelesen hat, der weiß vielleicht noch, dass ich mir ein Ziel gesetzt habe. Einen eigenen Törn mit einer seegehenden Yacht auf Küstengewässern. Nun hab ich zwar Ahnung vom Segeln, immerhin gondel ich seit Jahren mit meiner Midgard im nächstgelegenen Binnengewässer herum, aber mit einer Yacht auf dem Meer, Hafenmanöver und verantwortlich für eine ganze Crew? Das ist auf jeden Fall 'ne ganz andere Hausnummer. Also was macht man? Mitgesegelt als Crewmitglied bin ich schon mehrmals, soweit so gut...auch im richtigen Revier...also kenne ich die Gegend schon ein bissl und weiß, wie es in Marinas läuft oder mit dem Ankern irgendwo. Auch die Yacht war immer die gleiche, das ist auch nicht verkehrt...kennt man sich an Bord schon aus und so. Soweit so gut. Die nötigen Lappen hab ich auch schon seit Juni 2013 im Sack. Aber das Bauchgefühl sagt einem, das man noch nicht bereit ist. Wie soll´s also weitergehen? Ein Skippertraining wär vielleicht nicht so blöd. So sehen das auch Christian und Stefan, meine SKS-Mitstreiter (Sportküstenschifferschein). Also ans Internet geschmissen und gegoogled und auch was vielversprechendes gefunden. Hängen geblieben sind wir bei Segelreisen24. Gesagt getan und schon war sie gebucht. Die Yacht Saphir. Eine Grand Soleil 50 in Eignerausführung. Zunächst war geplant nur zu dritt die komplette Yacht samt Skipper für das Training zu chartern. Nachträglich haben wir noch Erik an Bord genommen. Ein Bekannter Stefan´s der auch den SKS hat, aber mal wie wir ein bissl Praxis auf den Tacho haben wollte. 

Als der lang ersehnte Termin endlich da ist, brummen wir also des nächtens nach Slowenien, konkret nach Izola, dem Heimathafen der Saphir. Vor Ort noch eingekauft, unseren Krempel an Bord gehieft und dann geht´s auch schon ab ins Lokal zum Abendessen. 

Die Slowenen und Kroaten verstehen was vom Essen :-)



Nach dem Frühstück am Sonntag Morgen kriegen wir die Bordeinweisung von Skipper Klaus und dann: Leinen los. 


Wir segeln am ersten Tag von Izola nach Rovinj. Da Rovinj aber in Kroatien liegt, müssen wir vorher in Piran aus Slowenien ausklarieren und in Novigrad in Kroatien einklarieren. Unterwegs merken wir schnell, die Saphir ist eine gut geschnittene Yacht trotz ihres Alters, auch als unerfahrene Fahrtensegler schnallen wir, das 9 Knoten Fahrt bei 11 Knoten Wind nicht mit jeder Yacht zu erreichen sind. Maximal haben wir an diesem Tag 17 Knoten Wind und laufen auf den 39 Seemeilen bis Rovinj bei klarem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen Kurse am Wind über halben Wind bis Raumschot. 




Nachdem wir beim Anlaufen auf den Hafen von Rovinj die Segel geborgen haben und die Maschine anschmeißen, ertönt plötzlich ein Unheil verheißendes Geräusch das uns in Atem halten soll. Die Bordelektronik meldet mit schrillem Piepsen Temperaturalarm der Maschine. Zum Glück haben wir es nicht weit bis zum Liegeplatz und machen das wir in den Hafen kommen. Dort liegen wir über Nacht im Päckchen mit der Bella Bionda. Nun da wir safe sind, popeln wir bei einem Anlegerbierchen mal den Impeller aus dem Motor und siehe da, der sieht nicht besonders rosig aus, außerdem finden wir Ablagerungen im Wasserfilter. Klare Sache, warum der Bock heiß gelaufen ist! Zudem hat der Impeller etwas heftig am Deckel geschliffen und dort ordentliche Spuren hinterlassen was auch nicht normal ist. Wir haben einen Ersatzimpeller an Bord und bauen diesen ein. Ein Probelauf der Maschine zeigt keine Probleme und auch der Wasserausstoß sieht wesentlich besser aus, beschließen wir jedenfalls einstimmig. Die Maschine der Saphir ist ein Yanmar. Der Impeller, sowie Ersatzimpeller aber von einem Volvo Penta, was wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wissen. 

Guter Dinge kochen Christian und ich bei einem weiteren Bierchen das, was die meisten Segler an Bord einer Yacht kochen...Spaghetti Bolognese mit Salat und einen netten Rotwein dazu, einheimisch versteht sich.

Rovinj ist ein verdammt nettes Städtchen:



Gleich nach dem Frühstück Montagmorgens bestellen wir im Technik-Shop des Hafens einen neuen Ersatz-Impeller. Natürlich, denn wir wissen es nicht besser, für einen Volvo Penta. Steht leider nicht drauf auf dem Ding, in welchen Motor das gehört und lässt sich auch in beide Maschinen einbauen. Also scheint das zunächst mal aus unserer Sicht der Dinge zu passen. Wir zischen aus dem Hafen, setzten Segel und weiter geht´s wie am ersten Tag. Super Wetter, klasse Temperaturen, der erste Sonnenbrand für dieses Jahr ist geklärt! Der Wind setzt mit 15 Knoten bei Kursen am Wind und halbem Wind, die Saphir läuft wie Sau. Es packt mich, die GoPro will eingeweiht werden! Bei den "Dreharbeiten" lege ich mich ins Zeug, probiere herum, hantiere mit Bootshaken und Kamera-Equipment und ernte für mein Wuseln schmunzelnde Blicke. Als geständiger Blogger bin ich an Bord ein bissl der Nerd der hier sein Ding macht ;-). 

Zum Übernachten laufen wir eine Bucht an, in der wir alleine sind. Überhaupt ist im April kaum eine Yacht unterwegs. Wir wollen ankern üben und direkt beim ersten Manöver....ihr ahnt es...der Motoralarm. Uahhh, was soll das denn? Also Anker fällt auf den Grund, Manöver beendet, Maschine aus! Wir lassen uns die Stimmung nicht vermasseln. Bei einem Denker-Bier trinken wir darüber nach, was als nächstes zu tun ist. Da Ankern nicht grade in die Rubrik Raketenwissenschaft gehört, machen wir uns keinen Kopf, dass das Üben ins Wasser gefallen ist. Unsere Gedanken schweifen um die Anatomie des Motors. 

So denkt sich´s nach in einer Bucht:



Christian und ich schmeißen uns wieder an den Herd. Diesmal gibt es Putenstreifen. Dazu Eisbergsalat mit Schafskäse, Oliven, Paprika, Mais und Tomaten. Am Morgen waren Stefan und Erik noch schnell einkaufen, denn wir hatten keinen Salat mehr. 

Als ich den vermeintlichen Eisbergsalat-Kopf in die Hand nehme, werde ich stutzig. Er riecht nicht wie Eisbergsalat riechen sollte, fühlt sich auch nicht so an, ist schwer wie eine Bowling-Kugel und sieht überhaupt irgendwie anders aus. Es stellt sich heraus, dass die beiden einen Kopf Weißkohl für Eisbergsalat gehalten haben. Nun bin ich an der Reihe ihnen schmunzelnde Blicke zu zuwerfen und auch den einen oder anderen Spruch müssen sie über sich ergehen lassen. Aber wie das beim Fahrtensegeln nun mal so ist, muss auch mal improvisiert werden. Also wird der Weißkohl halt einfach mit in die Pfanne gehauen und ordentlich durchgegart, parallel dazu die Putenstreifen angebrutzelt und passenderweise wird aus dem geplanten Salat durch das Fehlen des grünen Anteils von ganz allein ein griechischer Bauernsalat. Es schmeckt allen viel zu gut, Christian und ich sind für den Rest des Skippertrainings als Smut abgestellt ;-). Am nächsten Tag erwarten uns neue Abenteuer und was ist nur mit unserer Bordmaschine los?


Soweit für heute mit Teil 1 dieser Reihe über das Skippertraining. Natürlich will ich euch nicht all zu lange auf die Folter spannen und ihr werdet bald erfahren wie es weiterging mit uns, dem Motoralarm und was wir sonst noch so alles anstellen. Parallel zur Reihe bastle ich am HD Video vom Skippertraining :-)

Hier entlang zu Teil 2

Euer Markus

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