Donnerstag, 17. Juli 2014

Get on Board zu Gast auf einem Traditionssegler und den Tall Ship Races 2014


Moin Moin,

vor kurzem war ich ein Wochenende im schönen Holland unterwegs. Anlässlich des fünften Geburtstags von Holland Sail war eine Einladung zu einem „Ausflug“ in mein Postfach geflattert, der ich natürlich gern nachgekommen bin. Holland Sail managed eine Charterflotte von 28 Windjammern und Plattbodenschiffen, sprich Traditionsseglern, im englischen Sprachraum auch Tall Ships genannt. Ich durfte von Freitagabend bis Sonntagmorgen an Bord kommen, holländische Gastfreundlichkeit genießen und mit einem dieser wunderbaren Traditionsseglern mitsegeln. 

Freitags morgens also hinters Steuer geklemmt und nach Holland gebrummt. Die Grote Beer, ein wunderschönes Plattbodenschiff mit drei Masten, wartet in Makkum am Ijsselmeer auf mich und ist ab 20 Uhr abends bezugsfertig. Als ich an Bord gehe, werde ich von den freundlichen Mitarbeiterinnen von Holland Sail und dem Eigner der Grote Beer in Empfang genommen. Ich bin einer der ersten Gäste und so habe ich nach kurzem Smalltalk die Gelegenheit, mir meine Wunsch-Kajüte selbst auszusuchen. Geladen sind um die 15 Blogger, Journalisten und Fotografen. Da es nach acht abends schon langsam lichtschwächer wird und für den nächsten Tag Schietwetter vorausgesagt ist, schmeiße ich nur schnell meinen Seesack in die Kajüte, krame die Spiegelreflex raus und stromere an und unter Deck herum auf der Suche nach ersten Schnappschüssen. Bevor wir alle unter Deck in der Messe der Grote Beer bei angenehmer Unterhaltung noch ein paar Bierchen zischen, genießen wir einen malerischen Sonnenuntergang.



Ich penne in meiner Koje wie im Bilderbuch und wache morgens entspannt auf als ich leises Klappern in der Messe wahrnehme. Es wird grade zum Frühstück eingedeckt, frischer Kaffeeduft liegt im Schiff. Morgenstund hat Gold und der frühe Vogel und so…also erhebe ich mich etwas verpennt, aber voller Tatendrang und Spannung auf das vor mir Liegende. Ich lunze aus meinem Bullauge und sehe blauen Himmel, na wer sagt´s denn? Zum Teufel mit den Meteorologen. Nach einem ordentlichen Frühstück heißt es um 10 Uhr „Leinen los“. Der blaue Himmel ist einer grauen Wolkendecke gewichen, hm… . Skipperin Winnie legt den über 40 Meter langen Kahn gekonnt ab und bringt uns auf Kurs nach Harlingen. Dort steppt an diesem Wochenende der Bär, denn die diesjährigen Tall Ships Races haben dort zum ersten Mal ihren Starthafen. Für die Truppe an Bord ist das natürlich ein gefundenes Fressen und für Holland Sail als Traditionssegler-Vercharterer passt ein Hafen voller wunderschöner Windjammer ohnehin ins Konzept. Ich als Segelfetischist habe die Hoffnung mit der Grote Beer unter Vollzeug nach Harlingen zu brettern. Allerdings entscheidet Winnie, nicht mehr als eine der drei Focks zu hissen. 

Da ist sie, die eine Fock. Vielen Dank an meine holländische Kollegin Noortje für das coole Bild von mir:




Wir laufen nach Harlingen auf Vorwindkurs und sie hat natürlich keine Lust, das Risiko einer Patenthalse an allen drei Bäumen einzugehen. Nachdem ich helfen durfte die Fock zu hissen, statte ich Winnie am Steuerstand einen Besuch ab und werfe dort einen Blick auf die Seekarte. Nach der Schleuse auf die Nordsee folgen wir einem Fahrwasser und die Distanz nach Harlingen beträgt (nach meinem Fingerzirkel) nur sieben Seemeilen. Da hätte es sich ohnehin kaum gelohnt, die restliche Wäsche rauszuhängen. Kaum wäre das Vollzeug oben gewesen, hätten wir es schon wieder bergen müssen, um in Harlingen einlaufen zu können. Aber ich kann auf der Fahrt nach Harlingen durchaus erahnen, wie es mit einem so großen Schiff sein muss unter vollen Segeln durch die Nordsee zu peitschen und setze das auf meine geistige ToDo-Liste. 



Pünktlich zum Einlaufen in Harlingen fängt es an zu schiffen. Naja, werfe ich mich eben in mein Ölzeug, das funktioniert an Land genauso gut wie auf See und zwischen den imposanten Tall Ships sehe ich damit wenigstens net so ganz nach Touri aus ;-)

Bevor wir von Bord gehen gibt es noch ein leckeres Süppchen mit Brot. Für das leibliche Wohl ist an Bord hervorragend gesorgt.



In Harlingen ist die Hölle los, im Hafen bei den Windjammern wie auch im ganzen Ort. Riesenrad, Fressbuden, Livebands, Flohmärkte und und und. Auch an Bord der einen oder anderen Windjammer kann man gehen und sich umschauen. 



Ich hab's auf die Kruzenshtern geschafft. Ein russisches Staatsschiff und mit 114,5 Metern Länge und vier Masten die größte Windjammer am Platze. Unter Deck herrscht rauer Seemannsalltag, auf den ich durch eine Decksluke einen Blick erhasche. Ich lunze mitten in die Kombüse, wo ein leicht gelangweilter Smut steht und Fleisch breitklopft.



Es regnet wirklich die ganze Zeit, aber im Ölzeug bleibt es warm und trocken. Die ortsansässigen Holländer scheint das Wetter überhaupt nicht zu kratzen. Klatschnass spazieren und radeln sie herum, als wäre es das Normalste der Welt, daneben komme ich mir in meiner vollen Montur vor wie ein verweichlichter Idiot ;-). Zwischendurch knurrt der Magen, es wird Zeit ne Ladung Fish ´n´ Chips zu futtern und das mit zwei Bierchen runter zu schwenken, Fisch will schwimmen. Um fünf muss man spätestens wieder an Bord der Grote Beer sein. Auf dem Weg zurück zum Schiff, flaniere ich noch über einen Flohmarkt, der den inneren Stadthafen ziert und ergattere noch ein leckeres Mitbringsel für meine Herzensdame, hausgemachtes Fudge in allen Sorten und Farben. Um halb fünf schiebe ich, gerade an Bord gegangen, auf dem noch verlassen aussehenden Schiff, das Schott am Niedergang auf. Die versammelte Mannschaft kuckt mir grinsend bei einem behaglichen Kaffeegelage entgegen. Na, da mach ich doch glatt mit, nachdem ich mein Ölzeug schnell zum Trocknen aufgehängt hab. Dann heißt es schon wieder Leinen los und zurück nach Makkum. Kaum haben wir die Festmacher losgeworfen, reißt die Wolkendecke auf und es herrscht strahlender Sonnenschein. Herzlichen Dank! Die Sonne und damit auch gutes Licht, lassen mich sofort wieder haltlos mit der Spiegelreflex und Handycam bewaffnet an Deck herumexperimentieren und nach Motiven suchen. Das kam dabei heraus:



Zurück in Makkum geht die halbe Mannschaft schon wieder von Bord. Aber nicht mit mir! Ich finde es an Bord viel zu geil, als das ich daran auch nur einen Gedanken verschwende. Der Rest des Abends ist voll von gemütlichem Zusammensitzen an und unter Deck, interessanten Unterhaltungen, Fussball, Bier, Wein und einem tollen Abendessen. Ein Fischbuffet, das sich sehen lassen kann steht bereit, sehr lecker.

Die zweite Nacht an Bord vergeht wie im Flug, ich penne wie ein Stein. Morgens stopfe ich schnell meine sieben Sachen in den Seesack und genieße noch zusammen mit den anderen ein gemütliches Frühstück, danach heißt es Abschied nehmen. Es war eine tolle Zeit an Bord und hat tierisch Spaß gemacht. Das Treiben in Harlingen mitzuerleben war faszinierend. Ich bin gespannt, wann es mich auf eine Windjammer für nen richtigen Törn verschlagen wird. Vielleicht bekommt man ja mal ne nette Truppe zusammen und man sticht mit Holland Sail in See. Übrigens fährt Holland Sail mit den Plattbodenschiffen auch ins Wattenmeer und lässt sich dort trockenfallen. Muss schon ein Bild für die Götter sein, wenn man im Watt rum latscht und mitten drin ein komplettes, über 40 Meter langes, Schiff rumsteht und Leute von Bord klettern. Das sollte man mal gesehen und vor allem mitgemacht haben.

Am Abend hab ich noch ein schönes Motiv einfangen können:




Und nochmal Danke an Noortje die mich beim Streunen an Deck ganz unbemerkt erwischt hat:




Bei den 28 Schmuckstücken in der Flotte von Holland Sail ist für jeden Geschmack was dabei, von Klein bis Groß. Auch für jede Gruppenstärke haben die Jungs und Mädels bei Holland Sail was am Start. So kann man sich entweder, die entsprechende Gruppenstärke vorausgesetzt, einen Kahn samt Crew für sich chartern oder man wird als Gruppe mit anderen Teilnehmern zusammengelegt, um das Schiff voll zu machen. Dabei kann man vorher selbst bestimmen, ob es ein bestimmter Kutter sein soll oder man lässt sich überraschen und bekommt dann zwei Wochen vor dem Startschuss mitgeteilt bei welchem Schiff man an Bord gehen darf. Holland Sail garantiert dabei immer, dass das Schiff auch ausläuft, auch wenn es nicht voll wird und es kostet euch dann auch nicht mehr. Ich kann´s nur empfehlen und werde definitiv versuchen so einen Trip mal auf die Reihe zu bekommen. 



Euer Markus

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