Sonntag, 30. März 2014

Get on Board auf der Ostsee! Praxistörn im Juni 2013 mit Prüfung für den Sportküstenschifferschein


Hey Leute,

schon lange hatte ich im Sinn einen Post über unseren Praxistörn in der Ostsee vom Juni 2013 zu schreiben. Wer die bisherigen Posts der Reihe "Auf Kurs zum Skipper" auf Get on Board verfolgt hat, bei dem klingelts jetzt vielleicht. Ich hatte den Ostseetörn darin schon mal angeschnitten.

Stefan, Christian und ich hatten bereits die Prüfungen der SKS-Theorie und SKS-Navigation auf dem Kerbholz und nun wollte noch die Praxis abgehakt werden. Wir hätten auch mit unserer Bootsschule Aquafun nach Malle zur Praxiswoche samt Prüfung fliegen können, aber das war uns etwas zu kostspielig. Da war die heimische Ostsee doch attraktiver für uns. 

In die Ostsee stachen wir mit der Segelschule Segel-Praxis die wir durch simples googlen gefunden hatten. Wir wussten das wir in die Ostsee wollten und klapperten die verschiedenen Bootsschulen an der Ostseeküste im Internet ab. Erwischt hat es dann Segel-Praxis ;-).

Die von Stefanie und Stefan geleitete Segelschule verfügt über eine Bavaria 42 aus dem Jahr 2000 und hört passenderweise auf den Namen StefStef. Sie ist noch hervorragend in Schuss und läuft sehr agil und direkt. Wer sich für Skipper- oder Hafentrainings mit der StefStef interessiert, sollte wissen, dass sie über kein Bugstrahlruder verfügt. Für mich wäre das für ein Training aber ein klarer Pluspunkt.


Die gute StefStef ist in der Chartervariante vom Stapel gelaufen. Im konkreten Fall heißt das, das sich auf 42 Fuss ganze acht Personen tummeln. Stefanie und Stefan mal rausgerechnet bietet die StefStef also Kojen für sechs Teilnehmer. In der Woche in der wir die Praxiswoche gebucht hatten, war die StefStef zum Glück nicht voll belegt. Ein Teilnehmer kam einfach nicht und war auch nicht zu erreichen. Ein anderer Teilnehmer war nur für zwei Nächte an Bord weil er den SKS bereits hatte und angesichts eines Kurztörns als Skipper auf dem Bodensee nochmal ein paar Hafenmanöver fahren wollte. Unterm Strich waren wir also vier Teilnehmer statt sechs und das kam uns sehr entgegen. Zu sechst wäre es doch ein bissl kuschelig an Bord geworden und außerdem blieb so auch mehr Zeit für jeden Teilnehmer an Ruder und Schoten zum üben. Stefanie und Stefan sind sehr flexibel was ihre Angebote angeht und ich würde euch empfehlen für ein Skippertraining bzw. eine Praxisausbildung möglichst eine Crew von drei oder vier Personen selbst zusammen zu suchen und dann die StefStef mit samt und sonders zu chartern.
Die StefStef liegt in ihrem Heimathafen in Heiligenhafen und von dort aus ging es los. Im Kartenausschnitt könnt ihr euch anschauen welche Häfen wir angesteuert hatten:



Nachdem wir samstags vor dem Ablegen noch eingekauft, die Kojen aufgeteilt, jeder seinen Kram an Bord verstaut und die Bordeinweisung stattgefunden hatte, ging es los. Als ersten Schlag segelten wir mit angenehmen Winden um die 15 Knoten durch den Fehmarnsund (Meeresenge zwischen Deutschland und Fehmarn) nach Burgtiefe und lagen dort die erste Nacht. Interessant war dabei gleich zu sehen wie das mit den Fahrwassern und der entsprechenden Betonnung in der Praxis so von statten geht.

Hier steuern wir auf den Fehmarnsund zu:



Am Sonntagmorgen stand dann Hafentraining für den Teilnehmer mit dem eigenen Törn an. Die Anderen kümmerten sich während der Manöver um die Leinen und wie diese richtig geworfen werden damit sie auch über die Klampen und Poller fliegen, wie es sich gehört und nicht ins Wasser zwischen Schiff und Steg. Anschließend fuhren alle noch das Mann über Bord-Manöver unter Maschine. Allerdings nicht in der normalen Prüfungssituation, bei der nur eine Boje mit ner riesen Fahne dran über Bord geschmissen wird, sondern eine lebensgroße Puppe. Und da sieht die Welt schon ganz anders aus, wenn man versucht so einen Kameraden wieder an Bord zu bekommen. Das Manöver selbst ist dabei nicht mal das Problem, sondern den Kollegen aus dem Wasser an Bord zu kriegen. Durch reine Muskelkraft ist das gar nicht zu machen. Man muss das Spifall benutzen und es mit einem Schäkel in das Heisauge der Rettungsweste des Treibenden einpicken. Dabei hängt man selbst sprichwörtlich über Bord und muss sich von einem Mitsegler sichern lassen. Hat man den Kerl dann endlich an der Angel, wird er einfach über die Winsch an Bord gekurbelt.

Da unser Übungsteilnehmer aber montags wieder von Bord musste und die StefStef nun mal in Heiligenhafen liegt, segelten wir wieder dorthin zurück und lagen dort auf Montag im Hafen.

Frisch ausgeruht und nach einem ordentlichen Frühstück ging es dann richtig los. Ein langer Schlag Richtung Nord-West nach Marstal der dänischen Insel Aero. Das war ein klasse Schlag. Wir hatten super Wetter, 20 Knoten Wind und liefen meist am Wind. Das macht natürlich Laune schön mit Krängung und einem Meter Welle bei Sonnenschein durch die Ostsee zu rauschen. Hier konnte jeder ausgiebig Zeit am Ruder verbringen und dabei so richtig Spaß haben. Dabei wurde auch Segeltrimmung geübt und die entsprechenden Kommandos bei Wechsel des Windkurses.
Nach der Nacht in Marstal ging es mittwochs mit einem kürzeren Schlag nach Aerosköbing. Eine etwas weiter nordwestlich von Marstal gelegene Ortschaft auf Aero. Eigentlich war für diesen Tag noch ausgiebiges Manövertraining vor Aero geplant, daher auch der kurze Schlag. Allerdings machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es kamen zur zweiten Hälfte des Schlags sehr starke Winde auf und daher machten wir, dass wir in den Hafen kamen. Auf dem Weg dorthin liefen wir bei 35 Knoten Wind, nur zu einem Drittel ausgeholter Fock und geborgenem Groß acht Knoten bei 1,5 Meter Welle. Das machte zugegebenermaßen richtig Laune. Unser Mitsegler Stefan fühlte sich auf dem Vorschiff am Mast beim Bergen und Auftuchen des Groß bei der ganzen Action wie neu geboren. Aber aus den Manöverübungen wurde wegen dem Wind nix und so wetterten wir im Hafen ab und sprachen zumindest die wichtigen Manöver unter Deck bei einem Kaffee durch anstatt sie draußen zu fahren. Am Abend lies der Wind dann wenigstens eine satte Grillorgie zu.

Da für den Mittwoch dann der kürzere Schlag zurück nach Marstal anstand, fanden wir die Gelegenheit Wenden, Halsen, Windkurse zu fahren und die entsprechenden Kommandos zu üben. Mit Vorfahrtregeln muss man sich bei einem Törn in der Ostsee ohnehin permanent auseinandersetzen und auch das Navigieren mit der Seekarte kommt nicht zu kurz, wenn man verstehen will wie die Fahrwasser so gestrickt sind.


Nach der Nacht auf Donnerstag in Marstal ging es wieder auf den langen Schlag zurück nach Heiligenhafen, denn am Freitag fand die Prüfung statt. Also ab die Post nach Heiligenhafen. Auch dieser lange Schlag war wieder toll zu segeln. Ordentlich Wind um die 25 Knoten, am Wind Kurs und moderate Welle bei leichter Bewölkung. 



Vor Heiligenhafen, sozusagen in Prüfungsgewässern übten wir alle dann nochmal ausgiebig alle für die Prüfung wichtigen Manöver und die Kommandosprache. Halsen, Wenden, Wind- und Kompasskurse laufen, Mann über Bord unter Maschine und unter Segel und auch das Beiliegen wurde geübt.



Danach war es dringend nötig die nächste Kneipe anzulaufen, was Ordentliches zu futtern und n paar Bier einzufüllen, denn uns brummte ganz schön der Schädel von der Überei nach dem langen und kräftezehrenden Schlag und der aufkommenden Nervenunruhe. 

Die Nervosität war allerdings, wie sich herausstellte, vollkommen unbegründet. Unser Prüfer war sehr entspannt und wir waren morgens gleich das erste Boot das zur Prüfung auslief. Jeder von uns fuhr die Manöver recht sauber und auch das mit der Kommandosprache klappte recht gut. Kleine Patzer, die wegen dem hohen Puls nicht ganz zu vermeiden waren, wurden ohne Weiteres verziehen, schließlich waren keine groben Schnitzer dabei und das worauf es ankam saß. 

Und so kam es, das die Prüfung recht schnell hinter uns lag und jeder hielt seinen Lappen in der Hand. Jeder außer mir! Leider hatte der Prüfungsausschuss verrafft, dass ich die beim ersten Versuch versemmelte Navigationsprüfung erfolgreich nachgeholt hatte und mir schlicht keinen Schein ausgestellt. Nach ein bissl Herumtelefonieren am Montag war das Problem aber schnell geklärt und ein paar Tage später hatte auch ich meinen Lappen.

Als Schlusswort kann ich nur schreiben, dass die Praxiswoche in der Ostsee durchaus gelungen war. Noch etwas mehr Manövertraining wäre gut gewesen, aber was will man machen, wenn das Wetter es nicht zulässt. Das Segeln mit der StefStef und Skipper Stefan war auf jeden Fall lustig und jeder von uns hat dabei ordentlich was gelernt. Ich denke gerne an die Zeit in der Ostsee zurück, vor allem da in einer Woche das Skippertraining vor Kroatien ansteht und der Ostseetörn schon ein unglaubliches dreiviertel Jahr zurückliegt.

Ich hoffe euch hat der Post über den Ostseetörn gefallen und ich wie immer freue ich mich über Kommentare oder Fragen ;-)

Euer Markus

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