Mittwoch, 12. Februar 2014

Auf Kurs zum Skipper - Der SKS (Sportküstenschifferschein) - Teil 2 - Die Navigation


Hey Leute,

weiter geht’s heute im Text für den Sportküstenschifferschein (SKS) in meiner Serie „Auf Kurs zum Skipper“. Diesmal ist der navigatorische Teil des Scheins an der Reihe. Was beim theoretischen Anteil anfing, setzt sich hier fort. Beim SBF See reichte es noch, popelig ein paar Kurse in einen Seekartenausschnitt einzutragen, Koordinaten ablesen zu können und ETA auszurechnen (Estimated Time of Arrival). Wem das Malen in der Seekarte beim Lernen für den SBF See Spaß gemacht hat, wird sich beim SKS erst mal die Augen reiben. Zunächst mal hat man keinen kleinen Kartenausschnitt mehr zur Navigation, sondern zwei ausgewachsene Seekarten. Eine für die Nordsee und eine für die Ostsee. Soweit, so cool. Es gibt also Ostsee-Aufgaben und Nordsee-Aufgaben. Was dann aber für Ernüchterung sorgt ist der Umstand, dass die Nav-Aufgaben für den SKS viel, viel umfangreicher sind und daher die Prüfung für die Navigation unabhängig von Theorie und Praxis abgenommen wird. Man trägt eher wenig in die Seekarte ein, obwohl ein Aufgabenbogen bis zu 18 Aufgaben enthält. Es wird davon ausgegangen, wenn man den SBF See bereits hat, genug Grips vorhanden ist, um Kurse und Positionen einzutragen. Daher wird im Wesentlichen auf andere navigatorische Feinheiten Wert gelegt. Zum Beispiel berechnet man in die Kurse noch Abdrift durch Wind und Strömung ein und entsprechende "Beschickungen" als Kurskorrekturen. Für den Stromversatz ist sogar ein Diagramm, auch Strömungsdreieck genannt zu zeichnen, denn der Stromversatz und die Beschickung werden nicht rechnerisch, sondern geometrisch ermittelt. Aber das geht ja noch. Man muss verschiedene Eintragungen in der Seekarte erklären und kann froh sein wenn es sich dabei nur um eine simple Boje handelt. Dazu kann man sich zwar die zur Prüfung als Unterlage zugelassene INT 1 (ein Verzeichnis aller deutschen genormten Seekartenzeichen) zur Hand nehmen, aber darin muss das Gesuchte auch erst mal gefunden werden.


Man berechnet im navigatorischen Teil relativ oft irgendwas oder beantwortet Fragen theoretischer Natur und zeichnet weniger in der Seekarte. So richtig toll wird es, wenn man anfängt Gezeitennavigation zu berechnen und dazu Tabellen wälzen, Referenzwasserstände raussuchen, Zeitabweichungen beachten und das noch mit Kurs und Uhrzeit und setzender Strömung unter einen Hut zu bringen hat. Ich werde in absehbarer Zeit nicht in Gezeitenrevieren eigenverantwortlich unterwegs sein, soviel kann ich euch sagen.
Verschärfend kommt bei der Navigation für den SKS hinzu, dass merklich viele Stolperfallen raffiniert in die Aufgaben eingearbeitet sind, man sich im Punktesystem aber nicht allzu viele Fehltritte erlauben kann, das Zeitlimit für die Prüfung knapp ist und zu allem Überfluss die Übungsbögen nicht mit den Prüfungsbögen identisch sind. Unter all den ohnehin schon gegebenen Widrigkeiten bekommt man also auch noch einen Prüfungsbogen vorgelegt, den man vorher noch nie gesehen hat. Auch das ist ein Unterschied zum SBF See. Man muss also auch für den navigatorischen Anteil des SKS genug Lern- und Übungszeit einrechnen und sollte jeden der Bögen mindestens zwei Mal vollständig durchgeackert haben. Nur dann stellt sich das nötige Verständnis und Routine ein und die Prüfung kann gepackt werden. Ich weiß wovon ich spreche, bin ich doch beim ersten Versuch mit wehenden Fahnen untergegangen. Mir wurden die Stolperfallen zum Verhängnis, die ich nicht erkannte. Ohnehin war ich schon immer anfällig für Leichtsinnsfehler und daher waren diese hinterlistigen Fallen in den Aufgaben doppelt gefährlich. Man sollte sich nicht wundern oder den Mut verlieren, wenn man bei den ersten drei Bögen mal eben vier oder fünf Stunden pro Bogen benötigt. Der gesetzte Zeitrahmen für den ganzen Spaß in der Prüfung beträgt 90 Minuten. So lange ihr also beim Üben zu Hause außerhalb dieser 90 Minuten unterwegs seid, wisst ihr, dass ihr es noch nicht drauf habt. Ihr merkt es schon...für die Navigation solltet ihr locker doppelt so viel Zeit einplanen als für den Theorieteil. Die Geschichte muss einfach aus dem FF sitzen, die Routine muss da sein, das Verständnis was die Jungs vom Prüfungsausschuss wollen und was da auf der Seekarte überhaupt abgeht. Hilfreich und zeitsparend sind dann zum Beispiel auch kleine Hilfen wie Post-its in den Begleitheften für die entsprechenden Listen und Tabellen, denn Blättern kostet in der Summe Zeit. Das summiert sich schnell zu ein paar Minuten auf, die ihr in der Prüfung wenn es hart auf hart geht für wichtigeres besser gebrauchen könnt. Zum Beispiel wenn ihr nachträglich merkt dass ihr in eine Falle getappt seid, was aus der Karte radieren müsst und Korrekturen vornehmen. Es gibt zehn Übungsbögen. Je fünf für Nord- und Ostsee. In den Übungsbögen (und den Prüfungsbögen auch) verteilen sich pro Bogen bis zu 18 Aufgaben auf fünf Seiten. Diejenigen unter euch die mitgedacht und in Geologie aufgepasst haben, werden sich denken: „Moment…Gezeiten? Nordsee- und Ostseeaufgaben? Die Ostsee hat doch gar keine Gezeiten! Ha wie geil!“. Ihr braucht euch keine Hoffnungen zu machen, dass falls ihr in der Prüfung einen Ostsee-Bogen serviert bekommt, keine Gezeitenaufgaben lösen müsst. Daran hat der Prüfungsausschuss natürlich gedacht und die Ostseeaufgaben beinhalten als kleines Schmankerl zum Abschluss zwei bis drei Gezeitenaufgaben die Nordsee betreffend. 

So viel Input soweit von mir für euch um ein Gefühl für den navigatorischen Teil zu bekommen.


Ich hoffe, ich habe euch mit meinem Post über den Nav-Teil des SKS nicht die blanke Angst ins Gesicht getrieben. Letztlich ist alles nur eine Übungssache und wenn ihr euch entsprechend auf euren Arsch setzt und das Zeug reinpaukt, übt und versteht ist das alles halb so wild. Auch wenn das vielleicht so klingt ist es keine Raketenwissenschaft und durchaus mit entsprechendem Aufwand machbar. Also nicht entmutigen lassen und ran an den Speck ;-)


Euer Markus

1 Kommentar:

  1. Hallo,
    Wir haben zu fünft den SKS gemacht, und ebenfalls fleissig (zusammen) geübt. Der Vorteil hier ist das man sich gegenseitig kontrollieren kann, und Fehler gleich besprechen und beheben kann.

    Was wir kurz vor der Prüfung gemacht haben: mit Stoppuhr gearbeitet. Also...Uhr gestartet, erste Aufgaben gemacht, Uhr gestoppt, gewartet, bis alle fertig sind, mit allen die Ergebnisse verglichen, dann zur zweiten Aufgabe wieder die Stoppuhr laufen lassen....somit quasi die Netto-Bearbeitungszeit gemessen...und die sollte unter 90 Minuten bleiben....und dann muß man "nur" noch so sicher werden, daß die gefürchteten Folgefehler ausbleiben...

    Also machbar ist es schon :=)

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